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Rückblick

Bericht von der Internationalen Jugendtagung 2019 in Witten

Pfingsten, das Fest der Verständigung. Auf der diesjährigen internationalen Jugendtagung setzten wir uns mit der Phantasie auseinander. Vorträge die aus dem Leben berichteten, bewegende Eurythmie und vielsprachige Begegnungen zwischen pfingstlichen Flammenlichtern am Abend waren genauso Teil der Tagung wie die praktischen und theoretischen Workshops und natürlich leckeres Essen.

Im ersten Vortrag „Wie helfe ich meiner Schwester Phantasie?“ von Herbert Himmelstoß ging es um dieses Raum-Öffnen. Was ist notwendig, um im Alltag so offen gegenüber dem Wesen der Phantasie zu sein, dass mir seine unterstützende und bereichernde Energie zuteil wird? Johannes Greiner beleuchtete die Frage nach der Unterscheidung von phantasievoller, tieferer Wirklichkeit und Lüge und was dies mit dem Willen, den anderen Menschen sehen zu wollen, zu tun habe. Ulrich Meier sprach unter dem Titel „Wenn wir wie Bilder sprechen… Phantasie als schöpferische Kraft“ darüber, wie der Gedanke in seinem Raum doch bereits eine Wirklichkeit annimmt und es dann bloß eine Frage der Zeit ist, bis dessen Geburt, seine Manifestation im irdisch-weltlichen sich vollziehe. Denn existieren tut er ja bereits. Außerdem erwähnte er in seinem Vortrag noch, dass erst der Glaube Bilder wirksam werden ließe. Meine Freundin Sofía aus Kolumbien formulierte es so: „um zu sehen, müssen wir glauben“. Gerade bei Meiers Vortrag wurde deutlich, wie sehr die Themen der Jugendtagungen in einem thematischen Zusammenhang stehen und eines zum andern überführt. War „Wirklich­keit – reality united“ das vorangegangene Tagungsthema, so soll nächstes Jahr zu Himmelfahrt in Darmstadt das Thema Wahrheit und ihre Wahrnehmung eine Rolle spielen. Daniel Hafner wagte abschließend einen Ausblick auf „Die Zukunft der Phantasie“. Über die historische Vergangenheit des Gewissens als solchem und vom Phänomen des Nachbildes, bezogen auf Träume sprach er. Dann führte er über zum „Gabrielsorgan“ und einer „gesetzmäßigen Verwandlung unserer Schuld“. So wie ein Kind sich freue, etwas wieder gut machen zu können würde der Mensch in Zukunft eine Fähigkeit entwickeln, das Bild der Schuld leichter in das Bild einer Ausgleichstat, einer Wiedergutmachung zu wandeln. Also eine Gesetzmäßigkeit im von der Phantasie getragenen Prozess der Metamorphose einer Schulderkennung hin zum schadenbeseitigenden Handeln. Dabei betonte er, dass selbst nach einer beglichenen Schuld eine Verbindung zwischen den Parteien bliebe, die Schuld also – positiv ge­griffen – eine Verbundenheit schaffe.

Viele verschiedene Workshops boten am Nachmittag die Gelegenheit in Gesprächsgruppen, künstlerischem Tun oder bei Tanz sich noch einmal ganz anders zu begegnen; das Tagungsthema hier beim Plastizieren, Malen, Zeichnen, oder beim Bogenschießen, Volkstanz und Parkour, oder im Chor ganz anders zu erleben.

Zur Pfingstaktion, die dieses Mal auf dem Tagungsgelände stattfand, kannst du hier mehr lesen.

In den Zeiten der Begegnung freute ich mich besonders, Bekannte der letzten Tagung in Köln und auch aus anderen Zusammenhängen wiederzusehen. Aber auch neue Gesichter waren dabei, und so war es nicht nur ein Wiedersehen und Kontaktknüpfen in neue Weltregionen sondern auch ein Kontaktknüpfen in neue Lebenswelten. Das nämlich empfinde ich als eine der besonders schönen Dinge auf dieser Tagung: dass hier so viele lebensfrohe Jugendliche zusammenkommen, um sich gemeinsam einem Thema zu widmen, gemeinsam zusammenzutragen, was jede und jeder einzelne von ihnen beitragen mag. Und dann geschieht dieses Raum-Öffnen, wie es der Phantasie eigen ist – und neue Impulse beginnen zu sprudeln.

In Vorfreude auf die nächste Tagung, die vom 20. bis 24. Mai 2020 in Darmstadt stattfinden wird, kann ich hier auch auf ein Vorbereitungstreffen verweisen (20. – 22.9. in Darmstadt), auf dem du tolle Menschen treffen und dich schon mal im Vorfelde mit dem Thema der nächsten Tagung beschäftigen kannst: So weit ich das Gemunkel richtig vernommen habe, wird es ein Thema rund um die Wahrnehmung der Wahrheit sein.