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Rückblick

Bericht von der Internationalen Pfingsttagung 2018 in Köln

Wir und ich – eine Realität? Was bedeutet Wirklichkeit? Wo entstehen ihre Grenzen? Und wie kann ich mich für etwas einsetzen, das den Raum für eine möglichst große Schnittmenge der vielen Wirklichkeiten des Wir zulässt?

Wirklichkeit erfahren, dem anderen begegnen; damit begann der Tag, als mich ein lieber Mitmensch an der Autobahnauffahrt einsteigen ließ und mich mit nach Köln nahm. Als ich dann auf dem Weg zum Tagungsort, der Michaeli Schule in Köln, durch den nahen Park wanderte, kamen mir gleich Menschen entgegen, die ihr Gepäck schon abgelegt hatten und die gleiche Vorfreude versprühten auf das, was wir in den nächsten Tagen gemeinsam erleben wollten, wie ich selbst sie auch empfand.
Doch dass dieses Festival über­borden würde, zeigte sich nicht nur daran. Auch die vielen Zelte, in denen die Diskussionsrunden und Workshops stattfinden sollten, drängten förmlich über das Schulgelände bis auf den Parkplatz hinaus und in den Park hinein, sodass Passanten verwundert fragten: „Was wird hier passieren?“ Ein internationales Fest der Freude und Ein­ver­nehm­lich­keit!

WIRklICHkeit – Reality United

Ich möchte hier einen rück­schau­enden Überblick über die Pfingsttagung vom 19. bis 23.5. in Köln geben. Neben viel Freude, gutem Essen und viel Raum für Austausch gab es vormittags Vorträge und Diskussionsrunden und nachmittags Workshops. Abends folgte mit „der abend“ ein unterhaltsamer Programmpunkt. Zur Halbzeit der Tagung, dem Pfingstmontag, zogen wir nachmittags in die Stadt für die Pfingstaktion. Eingerahmt wurden die Tage von der Menschen­weihe­hand­lung und dem kultischen Abschluss am Altar.

Die Vorträge

In fünf ganz verschiedenen Vorträgen näherten wir uns dem Thema und den Fragen zur Wirklichkeit auf aspekt­reiche und unterhaltsame Weise.

Im ersten Vortrag stellte sich Christward Kröner dem Thema mit Fragen wie „wie weit unterscheidet sich die Wirklichkeit meiner Person aus der inneren Perspektive heraus und von außen auf mich geblickt?“ und „wie komme ich dazu, des anderen Wirklichkeit tatsächlich zu erkennen und nicht mit einer Vorstellung seiner Wirklichkeit zu leben und erst im Nachhinein zu erkennen, wie unvollständig diese Vorstellung eigentlich war?“.

Am zweiten Tag erzählte Peter Selg vom Christus in der Pfingstzeit. Wie er, ähnlich wie sich ein Salzkristall im Wasser löst, vor den Augen der Jünger verschwand und doch noch anwesend war und ist, indem er den Dingen – wie das Salz – zu ihrem Geschmack, zu ihrer individuellen Entfaltung verhilft.

Von Yaroslava Black hörten wir ein Erwachsenen-Märchen über das Geben und Nehmen und das Glücklichsein: Ein Fischer erzählt von seinem Schicksal; dass er sich den glücklichsten Menschen der Welt wähnte und das Glück einer wunderschönen Frau so lange genoss, bis er gefragt wurde, ob er wirklich glücklich sei und der Verführung erlagt.

Am folgenden Tag berichtete Ulrich Goebel von Begebenheiten, in denen Menschen durch die spürbare Anwesenheit lieber Gestalten Zuversicht zurück­er­langten und aus gefährlichen Situationen heraus­fanden. Und Ulrich fügte bei, wie wichtig es sei, Menschen mit solchen Erfahrungen den Raum zu geben, von ihren Wahrnehmungen berichten zu können.

Abgerundet wurden diese Vorträge von Patrick Kennedy mit einem Vortrag, dessen Titel keine bessere Zusammenfassung hätte sein können: „Die Wirklichkeit kommt – apokalyptischen Blick entwickeln“. Patrick bewegte die Frage danach, wie unser Schaffen in der Vergangenheit uns heute noch beeinflusst, und dass es mit der Zukunft doch genauso sei: Bestimmte Vorhaben, die wir umsetzen werden, bedürfen häufig ihrer Vorbereitung bereits in der Gegenwart. So könnten sich Schicksalsschläge als gewählter Weg zum Erreichen der Vorhaben zeigen.

Doch neben den Vorträgen waren auch die Diskussionsrunden und die Workshops sehr reichhaltig.

Die Diskussionsrunden

Nach den Vorträgen gab es Gesprächsgruppen in denen die reichhaltigen Aspekte der Reden noch einmal zusammengetragen und bewegt werden konnten. Ein guter Ort auch, um Sprachkenntnisse jenseits von Deutsch nutzen zu können. So gab es neben deutschen und englischen Runden etwa russische und spanische.

Die Workshops

Nach der Mittagspause schlossen sich die Workshops an. Eine bunte Auswahl von Bewegungs-, Schaffens- und Denkmöglichkeiten. Aus dem Park hallten die Melodien des Volkstanzes, aus dem Schulgarten tönte das rhythmische Klingen des beschmie­deten Eisens und wieder woanders ergaben sich Harmonien in gemeinsamem Gespräch.

Ich selber wählte den Workshop zur Menschen­weihe­hand­lung. Wir sprachen vor allem darüber, wie ich mit konkreten Fragen das Sakrament wahrnehmend meinen Weg, meinen Zugang zu diesem Geschehen finden kann. Ein Vorgehen, dass überall seine Gültigkeit hat: sich mit Fragen offen an die vielfältigen Aspekte des Lebens zu wenden und so seine Wahrnehmung zu schulen und zu erweitern.

„der abend“

Den offiziellen Programmteil eines jeden Tages rundete „der abend“ mit Raum für kleine Vorstellungen und Publikumsgespräche ab. Doch damit war der Tag noch nicht vorüber. Zwischen kleinen Feuerchen auf dem Schulhof fand pfingstl­icher Austausch statt.
Gespräche, Tanz, Musik und Ballspiele fanden allgemein viel Platz in den großzügigen Erholungs­pausen zwischen den Tagungspunkten.

Die Stadt-Aktion am Pfingstmontag

Am Montagnachmittag gingen wir alle gemeinsam in die Stadt. Nach etlichen Metern „Mein Hut, mein Stock, mein Regenschirm“ trafen wir uns am Dom zum gemeinsamen Flashmob-Singen. Im Anschluss zogen wir los und suchten mit Fragen, die wir auf der Rückseite von kleinen Samentüten mitbrachten, das Gespräch mit den Mitmenschen. Eine schöne Erfahrung, alle diese wirklichen Begegnungen zu sehen und überall kleine Tüten mit Samen bei den Menschen zurück zu lassen.

 

Und so blicke ich voll Freude auf diese schönen Tage zurück und möchte mich noch einmal bei allen bedanken, die dieses Fest für so viele haben Wirklichkeit werden lassen. Dankeschön.

Johann Schmiedehausen